Tibor Frank – geboren 1948 in Budapest (Ungarn) – ist ordentlicher Professor für Geschichte am Lehrstuhl für Amerikanistik an der Eötvös-Loránd-Universität Budapest. In den Jahren 1992–1994 übernahm er die Leitung dieses Lehrstuhls. Von 1994 bis 2001 war er Direktor des Instituts für Anglistik und Amerikanistik an derselben Universität; eine Position, die er seit 2006 erneut innehat. Im Frühjahr 2000 gründete er ebenda das Ph. D. Program in American Studies, das er bis heute leitet.
Seine Ausbildung als Historiker hat Tibor Frank an der Eötvös-Loránd-Universität (1966–1971) sowie in Cambridge, England (Christ's College 1969, Darwin College 1980–1981) erhalten. Nach Erlangung des ersten akademischen Grades (Dr. Univ.) 1973 promovierte er 1979 zum Ph.D. (Kandidatur). 1996 habilitierte er sich im Fach Geschichte an der Eötvös-Loránd-Universität, und 1998 wurde ihm der Doktortitel der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (MTA) verliehen.
Tibor Frank war Fulbright Visiting Professor an der University of California in Santa Barbara und Los Angeles (UCSB bzw. UCLA, 1987–1990) sowie Distinguished Visiting Professor of History an der University of Nevada-Reno (1990–1991). 1988–1997 unterrichtete er in jedem Sommersemester an der UCSB. 1994–1997 wirkte er an den UCSB Summer Sessions als Direktor des New Europe Programms mit. Zwischen 1992 und 2008 hielt er Gastvorträge an der Fakultät des Education Abroad Programs der University of California in Budapest. Seit 1999 unterrichtet er auch am IES Abroad (früher Institute of European Studies) in Wien. 2001 und 2007 war er Gastprofessor an der Columbia University in New York.
Seit 2003 ist er einer der Teamleiter des Forschungsprogramms “Representations of the Past: The Writing of National Histories in Europe” bei der European Science Foundation (Team 4: “Overlapping National Histories”). Die Erbegnisse des Programms werden in dem Band Contested Territories and Shared Pasts: Overlapping National Histories in Modern Europe (Tibor Frank and Frank Hadler, eds) bei Palgrave Macmillan im Jahr 2010 als Teil der Reihe Writing the Nation erscheinen.
1983 gründete Tibor Frank die Ungarische Gesellschaft für Neuphilologie, deren Generalsekretär er bis 1996 war. Zwischen 1996 und 2007 war er Vizepräsident derselben Gesellschaft. Zwischen 1972 und 1998 konzipierte und organisierte er, teils in Europa, teils in den USA, insgesamt zwanzig internationale, multidisziplinäre Konferenzen. Er ist Mitglied in den Beiräten folgender internationaler wissenschaftlicher Zeitschriften: Historical Abstracts (Santa Barbara–Oxford, 1989–1993 und seit 2000), Nationalities Papers (New York, 1989–2009), Polanyiana (Budapest, seit 1994), European Journal of American Culture (Nottingham, England, seit 1998). Von 1994 bis 2001 war er geschäftsführender Präsident, ab 2004 Ehrenpräsident der Hungarian Association for American Studies. 1994–2001 war er im Beirat der European Association for American Studies tätig. 2007 wurde er zum Vizepräsidenten der Ungarischen Gesellschaft für Geschichte gewählt. Zwischen 1999 und 2002 war und seit 2009 ist er wieder Mitglied der Hungarian Fulbright Commission, seit 2010 ist er Präsident des Kuratoriums dieser Kommission. Darüber hinaus ist er der Begründer und Chefredakteur des seit 2008 erscheinenden Trefort-kert Magazins der Philosophischen Fakultät der Eötvös-Loránd Universität.
Tibor Frank wurde mit dem C. E. Eckersley Preis (1970), dem Felsõoktatási Tanulmányi Érdemérem [Ungarische Verdienstmedaille für Hochschulstudien] (1972), dem ungarischen Széchenyi Stipendium für Professoren (1997–2001), dem Országh László Preis des Ungarischen Verbandes für Anglistik und der Universität Debrecen (2000), den Ehrenmedaillen „Pro Universitate“ der Eötvös-Loránd-Universität (2002) und „Pro Neophilologia in Hungaria“ der Ungarischen Gesellschaft für Neophilologie (2002) ausgezeichnet.
2002 wurde ihm der Humboldt-Forschungspreis verliehen, und in diesem Rahmen arbeitete er auch von 2003 bis 2004 am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte zu Berlin. Als Anerkennung für seine Tätigkeit und Verdienste im Hochschulwesen wurde ihm 2005 der Szent-Györgyi Albert Preis verliehen. Seit 2006 ist er korrespondierendes Mitglied der Royal Historical Society, London.
Neue Bücher: From Habsburg Agent to Victorian Scholar: G. G. Zerffi 1820—1892 (New York: Columbia University Press, 2000); Ein Diener seiner Herren: Werdegang des österreichischen Geheimagenten Gustav Zerffi (1820–1892) (Wien—Köln—Weimar: Böhlau Verlag, 2002); (Ed.) Discussing Hitler: Advisers of U.S. Diplomacy in Central Europe, 1934—1941 (Budapest—New York: CEU Press, 2003); (Ed.) Ever Ready to Go: The Multiple Exiles of Leo Szilard (Berlin: Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, 2004); Picturing Austria-Hungary: The British Perception of the Habsburg Monarchy 1865—1870 (New York: Columbia University Press, 2005); ハンガリー西欧幻想の罠 — 戦間期の親英米派と領土問題 Hangarii Seiou-Gensou no Wana – Senkanki no Kaneibeiha to Ryoudomondai (Tokyo: Sairyu Sha, 2008); (Hg.) Zwischen Roosevelt und Hitler. Die Geheimgespräche eines amerikanischen Diplomaten in Budapest 1934–1941 (Berlin: Duncker & Humblot, 2009); Double Exile: Migrations of Jewish-Hungarian Professionals through Germany to the United States 1919–1945 (Oxford: Peter Lang, 2009).
Biographische Anerkennung: Dictionary of International Biography 1982; 1997, 1998, 2001; Marquis Who's Who in the World 1997, 1998, 2000; Magyar és nemzetközi ki kicsoda [MTI Ki Kicsoda] 1996, 1998, 2000, 2002, 2004, 2006, 2009; The International Who's Who of Contemporary Achievement; Men of Achievement 1982; 2000 Outstanding People of the 20th Century 1997, 2000; Who Is Who Magyarországon, 3. kiadás, 2005; Ki kicsoda a magyar oktatásban 2005, 2006.
April 2010